07.12.2021 | Quelle: Stadt Frankfurt am Main - Der Magistrat c/o djd deutsche journalisten dienste GmbH & Co. KG

Die fabelhafte Welt der Falter entdecken

50 Jahre-Palmengarten-Jubiläum
50 Jahre-Palmengarten-Jubiläum
Der imd_plant transistor ist ein organisches Objekt aus Weidenruten und textilen Membranen, bepflanzt mit Salbei, Weihrauch, Duftpelargonien und verschiedenen Kletterpflanzen, bestückt mit Sound- und Lichtelementen. | © djd/PalmenGarten Frankfurt a.M./Sebastian Klimek

Der Frankfurter Palmengarten feiert 150-jähriges Jubiläum

Im Frankfurter Palmengarten ist der Trubel der Mainmetropole schnell abgelegt. Auf 22 Hektar wachsen rund 13.000 Pflanzenarten. In diesem Jahr feiert die Stadt das 150-jährige Bestehen des Gartens. Im Zuge dessen haben sich verschiedene kreative Köpfe Besonderes ausgedacht.

Soundinstallationen

Der Klangkünstler Lasse-Marc Riek etwa verwandelt den Palmengarten noch bis Ende Oktober an acht Plätzen in eine subtile Klanglandschaft. Das gelingt durch seine Installationen, den sogenannten „Transformationen“. Der Künstler überträgt normalerweise Unhörbares im Palmengarten in hörbare Klangspuren. Dabei geht er der Frage nach, ob Pflanzen eigentlich Geräusche oder sogar Musik machen und ob der Palmengarten ein akustisches Gedächtnis aus vergangenen Jahrzehnten hat.

Pflanzen und Menschen begegnen sich

Auf der großen Spielwiese des Parks haben Studierende des Instituts für Materialdesign der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Offenbach zudem einen besonderen, mit Pflanzen bewachsenen Pavillon als Raumgebilde entworfen und installiert. Entstanden ist ein Begegnungsort zwischen Pflanze, Natur und Mensch. Eine am Pavillon angebrachte Sensorik misst Impulse, die durch äußere Einflüsse entstehen. Die Interaktionen und Reaktionen der Gewächse mit der Umgebung werden dann in ein Licht- und Soundbild transformiert. Jede Störung, sei es ein eintretender Gast, ein Tier oder auch nur ein Windhauch, erzeugt Spannung in den Pflanzen. Die Klang- und Lichtinstallationen machen diese sicht- und hörbar, indem sich die Farbe verändert oder ein anderer Klang zu hören ist. „Mit unserem 'imd_plant transistor' veranschaulichen wir das von Kommunikation und Reaktion geprägte verborgene Netzwerk der Pflanzen und deren Übertragbarkeit auf die gebaute Umwelt“, erklärt Markus Holzbach, Leiter des Instituts für Materialdesign an der HfG.

Die Zeitebenen treffen sich

Nicht zuletzt können die Besucher des Palmengartens auch eine Reise in die Vergangenheit unternehmen. Beim Spaziergang durch den Park treffen sie an 14 Orten auf fuchsiarote Sichtachsen. Das sind Stelen, die jeweils mit zwei Rahmen versehen sind. Einer davon zeigt die historische Aufnahme des Standortes, der andere ist durchlässig für Blicke auf die heutige Ansicht. Unter www.palmengarten.de kann man vorab schon einige Stellen kennenlernen. Kurze historische Abrisse geben einen Überblick darüber, wie sich der Palmengarten in den vergangenen 150 Jahren gewandelt hat.

Das Blüten- und Schmetterlingshaus im Frankfurter Palmengarten bietet Natur mitten in der Großstadt

Schmetterlinge sind kleine Wunder. Wenn aus Raupen elegante, bunte Falter werden, die dann durch die Lüfte flattern, fasziniert das immer wieder. Wer sich die Flügelkünstler einmal ganz genau anschauen und auch mehr über deren Lebensweise erfahren möchte, findet im Frankfurter Palmengarten dafür die richtige Anlaufstelle: Hier hat seit August das neue Blüten- und Schmetterlingshaus geöffnet. Darin sieht man frei fliegende tropische Schmetterlinge zwischen vielen üppigen Blühpflanzen. Eine neue Dauerausstellung informiert Besucher und Besucherinnen zudem über das Zusammenspiel von Pflanzen und ihren Bestäubern.

Pünktlich zum 150-jährigen Jubiläum des Palmengartens wurde das Blüten- und Schmetterlingshaus in Frankfurt eröffnet. - © djd/PalmenGarten Frankfurt a.M./Tom Wolf
Pünktlich zum 150-jährigen Jubiläum des Palmengartens wurde das Blüten- und Schmetterlingshaus in Frankfurt eröffnet. | © djd/PalmenGarten Frankfurt a.M./Tom Wolf

Bananenfalter und Freunde

Dr. Katja Heubach, Direktorin des Palmengartens, ernannte das neue Haus zum Herzstück des aktuellen Leitthemas Blüten- und Bestäubungsökologie. "In den letzten Jahrzehnten hat die Anzahl der Fluginsekten in Deutschland um 70 Prozent abgenommen", erklärt sie. "Der Klimawandel, die Intensivierung der Landwirtschaft, Bebauung und Versiegelung von Lebensräumen zerstören die Lebensgrundlage der Insekten. Wir wollen das Interesse für die geflügelten Erdbewohner wieder wecken." Das 800 Quadratmeter große Blüten- und Schmetterlingshaus besteht aus zwei Teilen. Im Warmhaus leben unter anderem Bananenfalter, Monarchfalter und Blaue Morphofalter. Man kann ihre Puppen betrachten und sie sogar beim Schlüpfen beobachten. Im benachbarten Kalthaus nimmt die Dauerausstellung "Abgestaubt – von Blüten und ihren Besuchern" die Welt der Insekten unter die Lupe. Sie erklärt grundlegende Zusammenhänge und geht den Fragen nach, warum die Bestäuber überhaupt so auf die Blüten fliegen. Womit wird gelockt, belohnt oder gar getäuscht?

In die Welt der Schmetterlinge eintauchen

Zudem können Besucher und Besucherinnen auch aktiv mitmachen. Sie lösen selbst den faszinierenden Hebelmechanismus einer Salbeiblüte aus oder probieren, welcher Saugrüssel zu welcher Blüte passt. Zumindest grafisch lassen sie mithilfe eines interaktiven Tisches die artenreiche Welt der Insekten wieder aufleben. An Duftstationen gibt es verschiedene Blüten zu erschnuppern. Unter www.palmengarten.de können Interessierte eine Führung durch das Blüten- und Schmetterlingshaus und die Ausstellung buchen. Viele der vorgestellten Pflanzen und Bestäuber finden sich auch im Freiland und in Gewächshäusern des Palmengartens wieder.