Neue inklusive Kultur- und Freizeitangebote in der Hauptstadt
Berlin baut seine barrierefreien Angebote mit drei aktuellen Highlights im Freizeitbereich aus.
1. Stadtgeschichte für alle: Barrierefreie „Lauschtour“ durch die Altstadt Spandau
Spandau setzt ein starkes Zeichen für inklusiven Tourismus: Die gebührenfreie Audio-Führung „Lauschtour“ ist ab sofort in einer vollständig barrierefreien Fassung verfügbar. Seit rund fünf Jahren ermöglicht der Audioguide in Deutsch und Englisch ein flexibles Erkunden der Altstadt im eigenen Rhythmus. Durch die Überarbeitung steht das Angebot nun allen Gästen selbstbestimmt und unabhängig von individuellen Einschränkungen offen.
Die Inhalte wurden zielgruppengerecht aufbereitet - unter anderem in Einfacher beziehungsweise Leichter Sprache sowie ergänzt durch Audiodeskriptionen und Videos in Gebärdensprache. Eine qualifizierte Prüfgruppe stellte die optimale Verständlichkeit und Nutzbarkeit sicher.
Bezirksbürgermeister Frank Bewig freut sich, dass die „Lauschtour“ nun auch für alle Gäste der Altstadt Spandau nutzbar ist: „Barrierefreiheit hat für uns höchste Priorität. Wir arbeiten in Spandau seit Jahren gezielt daran, unsere touristischen Angebote so zu gestalten, dass sie für alle Menschen zugänglich sind. Die barrierefreie ‚Lauschtour‘ ist ein weiterer wichtiger Schritt in dieser Entwicklung!“
Flankiert wurde das Projekt durch Sensibilisierungsworkshops für lokale Tourismusanbieter, um den Service vor Ort gezielt anzupassen. Auch der touristische Orientierungsplan („Plan für Entdecker“) beinhaltet nun nützliche Hinweise zur Barrierefreiheit und ist in der Tourist-Information sowie online unter visitspandau.de abrufbar.
Die rund einstündige Tour startet am Gotischen Haus – dem ältesten erhaltenen Wohnhaus Berlins – und führt über zwölf Hörstationen entlang der Havel, vorbei am Rathaus bis zur Zitadelle Spandau. Weitere Details finden Interessierte direkt auf visitspandau.de.
2. Geschichte zum Erfühlen: Tastführung in der Zitadelle Spandau
Für blinde und sehbehinderte Menschen bietet die Zitadelle Spandau am Donnerstag, den 3. September 2026 um 15:00 Uhr ein maßgeschneidertes Kulturerlebnis. Im Rahmen eines dialogischen Rundgangs durch die Dauerausstellung „Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler“ werden ausgewählte Exponate wie das Denkmal der Königin Luise, die Büsten der Siegesallee sowie das Denkmal der gefallenen Eisenbahner historisch eingeordnet und detailliert beschrieben.
Ergänzt werden die Beschreibungen durch spezielle Tastmodelle und akustisch gestaltete Erlebnisräume. Die 90-minütige Führung lässt bewusst viel Raum für Fragen und eine intensive Beschäftigung mit den Objekten. Der Treffpunkt ist am Torhaus; der Eintritt sowie die Teilnahme sind kostenfrei. Eine Anmeldung ist bis zum 1. September 2026 per E-Mail (christina.buech@zitadelle-berlin.de) oder telefonisch (030/ 354 944-445) erforderlich.
3. Kunst jenseits der Sprache: Retrospektive „ExperimenTiergarten“ in der Galerie Kulturhaus
Die Galerie Kulturhaus widmet dem integrativen Kinder- und Jugendbereich eine besondere Ausstellung. Ab Donnerstag, den 16. Juli 2026 um 18:00 Uhr öffnet die Retrospektive des Kunstprojekts „ExperimenTiergarten“ (1998–2026) mit musikalischer Begleitung ihre Türen. Die Ausstellung würdigt die 28-jährige kunstpädagogische Arbeit der Künstlerin und Kunsttherapeutin Salome Haettenschweiler in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt Mitte.
In diesem Projektraum finden junge Menschen aus unterschiedlichen sozialen und biografischen Lebenswelten einen geschützten Raum, um durch kreatives Schaffen Mut, Selbstvertrauen und innere Stärke zu entwickeln. In altersgemischten Kleingruppen nutzen die Teilnehmenden das Malen als „Denken in Bildern, am Rande der Sprache“*, insbesondere dort, wo gesprochene Worte an Grenzen stoßen. Als Inspirationsquellen dienen Erzählungen, Märchen und Bücher sowie der gemeinsame Dialog über das Erschaffene. Die Werkschau veranschaulicht diesen therapeutischen Ansatz und zeigt neben den Arbeiten der Jugendlichen auch eigene Werke von Salome Haettenschweiler, wodurch die Symbiose aus Atelier- und Projektarbeit greifbar wird.