Barrierefreie Gondel im Wörlitzer Park: Mehr Inklusion im Gartenreich
Mit der feierlichen Taufe einer barrierefreien Gondel im Wörlitzer Park setzt die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz ein starkes Zeichen für Inklusion. Das neue Boot wurde heute im Beisein von Dr. Christian Walbrach, dem Behindertenbeauftragten der Landesregierung Sachsen-Anhalt, und Kulturstaatssekretär Dr. Sebastian Putz offiziell übergeben. Zudem präsentierte die Stiftung acht neue Rollstühle, die den Gästen ab sofort an verschiedenen Standorten zur Verfügung stehen. Realisiert wurden diese Neuerungen durch eine gezielte Sonderfinanzierung des Landes Sachsen-Anhalt sowie durch eine großzügige Spende aus privater Hand. Damit konnte die Kulturstiftung ihre barrierefreien Angebote in den letzten Monaten maßgeblich erweitern.
„Es geht nicht nur darum, diesen kulturellen Ort erreichen, sondern ihn selbstbestimmt und gleichberechtigt erleben und zudem mitgestalten zu können. Für mich ist die heutige Einweihung ein wertvolles und demonstratives Beispiel gelebter Inklusion und Teilhabesicherung.“, betonte Dr. Walbrach, der Behindertenbeauftragte der Landesregierung.
„Gerade im Wörlitzer Park erschließen sich wesentliche Sichtachsen und Landschaftsbilder vom Wasser aus. Mit der neuen Gondel erhalten Menschen mit eingeschränkter Mobilität nun Zugang zu einem zentralen Bestandteil dieses einzigartigen Kultur- und Naturerlebnisses.“, ergänzt Dr. Sebastian Putz, Staatssekretär Kultur des Landes Sachsen-Anhalt.
Die Spezialanfertigung wurde exakt auf die Gegebenheiten des Wörlitzer Parks abgestimmt. Optisch fügt sie sich perfekt in das Bild der historischen Gondelflotte ein, bietet im Inneren jedoch Platz für bis zu drei Rollstuhlfahrerinnen oder Rollstuhlfahrer sowie fünf Begleitpersonen. Der Einstieg erfolgt stufenlos über eine integrierte Rampe. Eine neu errichtete Anlegestelle mit flexiblem Zugangssteg garantiert zudem ein sicheres und barrierefreies Boarding bei unterschiedlichen Wasserständen.
Reisen für Alle in Sachsen-Anhalt
Sachsen-Anhalt ist ein Land voll lebendiger Geschichte und faszinierender Landschaften. Reiselustige und kulturinteressierte Besucher finden hier beeindruckende Natur sowie zahlreiche Zeugnisse aus mehr als 1.000 Jahren deutscher und europäischer Historie. Um diese Vielfalt allen Gästen zugänglich zu machen, engagiert sich das Land seit langem für den barrierefreien Tourismus und insbesondere für die Entwicklung von Reiseangeboten für Menschen mit besonderen Bedarfen. Im Faltblatt „Reisen für Alle in Sachsen-Anhalt“ finden Sie Informationen zur Barrierefreiheit in Sachsen-Anhalt inkl. Urlaubs- und Erlebnistipps.
Mit einem minimalen Tiefgang von nur etwa 25 Zentimetern kann das Boot die flachen Kanäle der Wörlitzer Anlagen analog zu den übrigen Gondeln befahren und auf der regulären Route eingesetzt werden. Für den Bau und die Entwicklung zeichnet die Roßlauer Schiffswerft GmbH & Co. verantwortlich, während die BÖGER + JÄCKLE Ingenieure Dessau mbH & Co. KG die Anlegestelle planten. Die bauliche Umsetzung übernahm die Bau- und Haustechnik Bad Düben GmbH. Die Gesamtkosten für das Projekt belaufen sich auf rund 217.000 Euro.
Die Maßnahme ist Teil eines großen Sanierungsprogramms für den gesamten Gondel- und Fährbetrieb im Wörlitzer Park. Bereits 2025 wurde das neue Gondelstationsgebäude nahe dem historischen Gasthof „Zum Eichenkranz“ fertiggestellt, weitere Schritte folgen in den kommenden Jahren. Mit einem Gesamtbudget von rund 2,4 Millionen Euro gehört dieses Vorhaben aktuell zu den größten Projekten der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz im Bereich der Gartenunterhaltung und Gartendenkmalpflege.
Zusätzlich investiert die Stiftung abseits des Fährbetriebs in die Barrierefreiheit vor Ort. Mithilfe einer privaten Spende konnten acht Rollstühle beschafft werden. Diese stehen den Besucherinnen und Besuchern bei Bedarf in den Schlössern Wörlitz, Luisium, Oranienbaum und Mosigkau, im Gotischen Haus, im Haus der Fürstin sowie direkt an der Gondelstation unkompliziert zur Verfügung.
„Die Unterstützung des Landes Sachsen-Anhalt hilft uns dabei, die Erlebbarkeit der Schlösser und Gärten trotz der besonderen denkmalpflegerischen Anforderungen für möglichst viele Menschen weiter zu öffnen“, erklärt Prof. Dr. Harald Meller, komm. Vorstand und Direktor der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz.
Barrierefreiheit im Gartenreich
Das Thema Barrierefreiheit besitzt im Gartenreich seit vielen Jahren eine hohe Priorität. An etlichen Stellen wurden bereits Lösungen realisiert, die den Denkmalschutz wahren und dennoch den Zugang zu den Gebäuden erleichtern. Ein Hublift ermöglicht mobilitätseingeschränkten Menschen den Zugang zur Hauptetage des Schlosses Wörlitz. Im Zuge der Sanierung des Hauses der Fürstin wurde zudem ein Aufzug integriert, sodass alle Etagen barrierefrei erreichbar sind. Ergänzt wird das Angebot durch barrierefreie WCs, zertifizierte Informationen des Projekts „Reisen für Alle“ sowie weitere zielgerichtete Hilfen. Für die Kulturstiftung ist Inklusion ein Gewinn für alle Gäste: Das UNESCO-Welterbe Gartenreich Dessau-Wörlitz soll unter Wahrung seiner historischen Authentizität für jeden erlebbar sein.