Am Sonntag, dem 8. November 2026, um 15 Uhr laden „Bei Anruf Kultur“ und der Gedenkort denk.mal Hannoverscher Bahnhof zur bundesweiten Telefonführung „Die Deportationen aus Hamburg im Herbst 1941“ ein. Die einstündige Führung erinnert an die Deportation jüdischer Menschen aus Hamburg während der NS-Zeit und vermittelt die Geschichte des ehemaligen Hannoverschen Bahnhofs. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist jedoch erforderlich.
85 Jahre nach Beginn der Deportationen aus Hamburg gewinnt die Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus angesichts aktueller gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen erneut an Dringlichkeit. Rechtsextreme Positionen gewinnen an Einfluss und demokratische Grundwerte werden zunehmend infrage gestellt. Umso dringlicher stellt sich die Frage, welche Lehren aus der Geschichte gezogen wurden und welche Verantwortung daraus für die Gegenwart erwächst.
Der Termin der Telefonführung ist bewusst gewählt: Am 9. November wird an die Novemberpogrome von 1938 erinnert, bei denen jüdische Menschen verfolgt und misshandelt, Synagogen zerstört sowie Geschäfte und Wohnungen verwüstet wurden. Nur drei Jahre später begannen die Deportationen aus Hamburg in Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager. Der Hannoversche Bahnhof war während des Nationalsozialismus ein zentraler Ausgangspunkt für die Deportation von Menschen aus Hamburg und Norddeutschland. Heute befindet sich auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände der Lohsepark mit dem Gedenkort „denk.mal Hannoverscher Bahnhof”.
Guide Henning Flinner führt die Teilnehmenden am 8. November 2026 um 15 Uhr eine Stunde lang telefonisch über das ehemalige Bahnhofsgelände und durch den heutigen Gedenkort. Dabei vermittelt er die Geschichte des Ortes und erinnert an die Schicksale der Menschen, die von hier deportiert wurden.
„Mit unseren Telefonführungen möchten wir Menschen die Möglichkeit geben, sich mit Geschichte und Kultur auseinanderzusetzen – unabhängig davon, ob sie einen Gedenkort persönlich besuchen können.
Gerade Orte wie der Hannoversche Bahnhof erzählen Geschichten, die nicht in Vergessenheit geraten dürfen. Diese Erinnerungen bundesweit per Telefon zugänglich zu machen, ist für uns ein wichtiger Beitrag zur Erinnerungskultur und macht das Angebot von ‚Bei Anruf Kultur‘ so wertvoll“, sagt Melanie Wölwer, Projektleiterin von „Bei Anruf Kultur“.
Die Anmeldung erfolgt über www.beianrufkultur.de oder telefonisch unter 040 209 404 36. Im Anschluss erhalten die Teilnehmenden die Zugangsdaten und wählen sich am Veranstaltungstag bequem per Telefon ein.
Hintergrund zum Projekt „Bei Anruf Kultur“
Das Projekt „Bei Anruf Kultur“ wurde 2021 ins Leben gerufen. Während des Corona-Lockdowns startete der Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e. V. (BSVH) und das Büro für Inklusion und demografiefeste Lösungen grauwert gemeinsam mit einigen Hamburger Museen das Projekt. Mittlerweile ist es ein überregionales Angebot, das verschiedenste kulturelle Inhalte von über 100 Kultureinrichtungen aus ganz Deutschland vermittelt.
Neben Museumsführungen wird das Angebot von „Bei Anruf Kultur“ auch stetig um telefonische Stadtführungen erweitert. Schon jetzt sind Rundgänge durch verschiedene deutsche Orte möglich. In Zukunft sollen auch europäische Touren in das Programm aufgenommen werden. Für die Umsetzung arbeitet „Bei Anruf Kultur” eng mit dem Weltverband der Gästeführer zusammen.
Unterstützt wird das Projekt durch die Behörde für Kultur und Medien Hamburg, die Homann-Stiftung sowie die DFB-Kulturstiftung.
Weitere Informationen und Termine finden Sie unter www.beianrufkultur.de.