07.04.2026 | Quelle: BSVH e.V.

Bei Anruf Kultur: Bundesweit einzigartiger Zugang zu Kultur steht vor dem Aus

Tags: #Kultur #Bei Anruf Kultur #Telefonführungen

Tausende Menschen in Deutschland nutzen das Angebot „Bei Anruf Kultur“, das die kulturelle Teilhabe ermöglicht. Es bietet insbesondere älteren Menschen und Personen mit Einschränkungen kostenlose Telefonführungen durch Museen und mehr. Doch ab Herbst 2026 könnte mit dem in Hamburg gegründeten und bundesweit etablierten Projekt Schluss sein, da die Förderung ausläuft und eine Anschlussfinanzierung nicht gesichert ist.

Mit „Bei Anruf Kultur“ sind Kultureinrichtungen wie Museen, Denkmäler, Kirchen, aber auch Stadtführungen und Rundgänge durch Theater live per Telefon erlebbar. Besonders ältere Menschen mit eingeschränkter Sehfähigkeit oder Mobilität, gesundheitlichen Einschränkungen oder großer räumlicher Distanz zu Kulturorten profitieren von der kostenfreien, niedrigschwelligen Möglichkeit kultureller Teilhabe.

Das 2021 vom Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg (BSVH) und dem Büro grauwert in Hamburg gegründete Projekt hat sich von einer regionalen Lösung zum bundesweiten Erfolgsmodell entwickelt. Die Zahlen stimmen, der Erfolg ist messbar – trotzdem ist die Fortführung des Angebots gefährdet.

Grund ist die ungewisse Finanzierung. Im Herbst 2026 endet die Förderung der Aktion Mensch, die 2023 begann. In dem dreijährigen Förderzeitraum wurden über 500 Telefonführungen mit mehr als 9.000 Teilnehmenden aus rund 130 beteiligten Kultureinrichtungen ermöglicht.

Die fast täglich stattfindenden Telefonführungen sind nahezu alle ausgebucht. Die hohe Nachfrage zeigt, wie groß der Bedarf ist. Dies spiegelt sich auch in der aktuellen Befragung der Teilnehmenden wider.

  • 56 Prozent der Teilnehmenden fühlen sich stärker am Leben beteiligt.
  • 64 Prozent erleben eine geistige Aktivierung
  • 35 Prozent berichten von einer höheren allgemeinen Zufriedenheit

Mit der einfachen Technologie des Telefons leistet „Bei Anruf Kultur“ einen konkreten Beitrag gegen Einsamkeit und soziale Isolation im Alter. Dies ist ein Thema, das angesichts des demografischen Wandels zunehmend an Bedeutung gewinnt und auch im 9. Altersbericht der Bundesregierung hervorgehoben wird.

Und trotzdem ist im Herbst 2026 Schluss. Zumindest mit der Förderung der Aktion Mensch. Das bedeutet, dass die jährlichen Kosten von 150.000 Euro selbst getragen werden müssen. Ein Unterfangen, das dringend Unterstützung benötigt.

Deshalb startet das Team die „Hamburger Rettungsmission für kulturelle Teilhabe“ und ruft Politik, Unternehmen, Stiftungen und engagierte Bürgerinnen und Bürger zur finanziellen Unterstützung auf.

„Kulturelle Teilhabe darf kein Privileg sein, sondern muss allen Menschen offenstehen – unabhängig von ihren körperlichen Möglichkeiten. Mit Angeboten wie ‚Bei Anruf Kultur‘ schafft der BSVH neue Zugänge und setzt Maßstäbe. Hamburg unterstützt das Projekt von Anfang an und freut sich, dass es inzwischen bundesweit Wirkung zeigt. Jede weitere Unterstützung, auch über Hamburg hinaus, ist natürlich hoch willkommen“, betont der Hamburger Senator für Kultur und Medien sowie Schirmherr des Projekts, Dr. Carsten Brosda.

Interessierte, die das bundesweit einzigartige Angebot für kulturelle Teilhabe, das nachweislich wirkt und gebraucht wird, retten möchten, wenden sich an das Projektteam unter kontakt@beianrufkultur.de.