27.02.2026 | Quelle: Jonathan Ponstingl

Wien – Kultur für alle Sinne

Wien – Kultur für alle Sinne
Das prachtvolles Barockschloss Belvedere in Wien | © WienTourismus | Paul Bauer

Tags: #European Access City Award #Urlaub mit Sehbehinderung #Urlaub mit Hörbeeinträchtigung #Wien #Urlaub mit Behinderung #Urlaub mit Rollstuhl #Inklusiver Familienurlaub #Barrierefreie Ausflugsziele #Österreich

Ein Beitrag von Jonathan Ponstingl

Die Stadt an der Donau begeistert das ganze Jahr über mit einer opulenten Vielfalt an Kulturangeboten und ihrem unverwechselbaren Kaffeehaus-Flair. Die prachtvolle Altstadt wurde in den vergangenen Jahren an vielen Stellen modernisiert. So erhielt etwa der Michaelerplatz vor der Hofburg zusätzliche taktile Leitsysteme und ist nun barrierefrei zugänglich. Selbst der Eingang in den Stephansdom ist ebenerdig. Und auf dem vielfach fotografierten Weihnachtsmarkt vor dem Wiener Rathaus wird Glühwein in Tassen mit Braille-Beschriftung ausgeschenkt.

Blindenleitsystem auf dem Karlsplatz - © WienTourismus | Rafael Bittermann
Blindenleitsystem auf dem Karlsplatz | © WienTourismus | Rafael Bittermann

Wien rangiert in internationalen Rankings zur Lebensqualität regelmäßig auf Spitzenplätzen. Stadtentwickler und Touristiker arbeiten engagiert daran, Wien für alle Menschen lebenswert und zugänglich zu gestalten und damit diese hohe Zufriedenheit langfristig zu sichern. Neben der weitgehend barrierefreien Altstadt umfasst dies auch Sensibilisierung und Kompetenzaufbau bei den Wiener Gastgebern. Viele touristische Betriebe bieten inzwischen inklusive Angebote für unterschiedliche Bedürfnisgruppen. Für seine umfassende Barrierefreiheits-Strategie wurde Wien mit dem Access City Award 2025 ausgezeichnet. Ein Besuch in der österreichischen Hauptstadt ist ohne einen Abstecher in ihre erstklassigen Museen kaum vorstellbar. Die Kunstvermittler der renommierten Häuser bemühen sich, trotz oft historischer Bausubstanz, Exponate und deren Geschichten möglichst inklusiv zugänglich zu machen. Barrierefreiheit wird hier breit gedacht: Neben Zugängen für mobilitätseingeschränkte Personen gibt es Angebote für Menschen mit Seh- oder Höreinschränkungen sowie neurodiverse Besucher.

So bietet das Belvedere etwa Führungen für sehbeeinträchtigte Menschen und Personen mit Demenz an. Das weltbekannte Gemälde „Der Kuss“ von Gustav Klimt lässt sich anhand eines Tastmodells in seinen Details erkunden und es stehen Videos in internationaler Gebärdensprache zur Verfügung. Das 2023 nach Umbau wiedereröffnete Wien Museum verfügt nun im gesamten Gebäude über ein taktiles Leitsystem, das bereits an der U-Bahn-Station Karlsplatz ansetzt. Ergänzt wird dieses durch Tastführungen, Rundgänge in Einfacher Sprache, Audiodeskriptionen und einen Sensory Bag für neurodiverse Personen. Im Künstlerhaus können Interessierte Workshops buchen, die bedürfnisorientiert angepasst werden und sich für eine Vielzahl an Einschränkungen eignen. Durch den engen Austausch mit den Künstlern ist es zudem möglich, zahlreiche Werke im Rahmen einer Führung direkt zu ertasten – ganz im Sinne des Mottos „Kunst für die Sinne“. Ein neues Workshop-Format bringt sehende und nicht sehende Menschen zusammen, um gegenseitiges Verständnis zu fördern.

Das Kunsthistorische Museum wiederum bietet jeden Freitag inklusive Führungen an. Die Schwerpunkte wechseln wöchentlich und reichen von Tastführungen über Österreichische Gebärdensprache und Einfache Sprache bis hin zu speziellen Angeboten für Menschen mit Demenz.

Wiener Schnitzel in barrierefrei zugänglicher Gastronomie - © WienTourismus | Mafalda Rakoš
Wiener Schnitzel in barrierefrei zugänglicher Gastronomie | © WienTourismus | Mafalda Rakoš

Auch das Burgtheater, eine der wichtigsten Kulturinstitutionen Europas, setzt verstärkt auf Inklusion. Neben dem barrierefreien Eingang, der in den kommenden Jahren weiter verbessert wird, weist der Spielplan Vorstellungen mit Audiodeskription aus. Zu jedem Stück erscheint ein Programmheft in Braille-Schrift, und Werkseinführungen werden taktil gestaltet: Requisiten und Kostüme können vor der Vorstellung ertastet werden. Schauspieler erklären in kurzen Audiosequenzen ihre Rollen und ihr Erscheinungsbild, während über eine eigene Burgtheater-App der Bühnentext in großer Schrift mitgelesen werden kann.

Jenseits der Kulturtempel lohnt sich eine barrierearme Entdeckungstour durch die Stadt. Über Wien Tourismus oder direkt bei spezialisierten Guides lassen sich inklusive Stadtführungen buchen – ideal, um die Altstadt aus einer neuen, zugänglichen Perspektive zu erleben.